Schwellenländer wie China und Indien verzeichnen momentan enorme Wachstumsraten. Sie sind gleichwohl in vielen Bereichen auf die Expertise und die Technologien der Industrieländer angewiesen, die wiederum damit hohe Umsätze erzielen können. Angesichts der zum Teil diktatorischen Regimen stellt sich aber die Frage nach der Moral.
Wachstumsregionen: zwischen Konkurrenz und Absatzmärkten
Viele Menschen schauen seit Jahren verwundert und ein bisschen ängstlich nach China, dem größten Staat unter den Schwellenländern. Die chinesische Wirtschaft boomt, einige deutsche Unternehmen haben angesichts der niedrigen Lohnkosten bereits Arbeitsplätze dorthin ausgelagert. Deswegen wird insbesondere China, aber auch andere Schwellenländer, oftmals nur als Gefahr gesehen. Dabei profitiert die deutsche Wirtschaft in erheblichem Maß von diesem Wachstum. Staaten wie China haben meist nicht die Kapazitäten, die Mittel und das Wissen, den notwendigen Ausbau der Infrastruktur selbst durchzuführen. In der Folge beauftragen sie deutsche Unternehmen, die damit Milliarden an Umsätze machen. Solche Bereiche sind zum Beispiel Straßen und Schienen, das Energienetz, Kraftwerke und Häfen. Es zahlt sich deshalb oft aus, wenn unter anderem von der Bundesregierung durch Förderungen oder Kredite Investitionen in Schwellenländern getätigt werden. Die deutsche Wirtschaft freut sich anschließend über Aufträge.
Geschäfte ohne moralische Skrupel?
In dieser Frage entspannen sich aber stets Diskussionen. Die politische Ausrichtung einiger Schwellenländer ist zweifelhaft: Auch hier ist China als diktatorischer Staat das beste Beispiel. Die Menschenrechtsverletzungen sind zahlreich. Darf es überhaupt eine wirtschaftliche Kooperation mit einem solchen Staat geben oder wäre ein Boykott nicht die bessere Alternative? Ein Wirtschaftsboykott wäre aber teuer. Gerade mit China machen deutsche Unternehmen enorme Umsätze. Zudem ist fraglich, ob ein solches Mittel überhaupt die richtige Wahl ist. Eine Isolierung könnte dazu führen, dass solche Regierungen erst recht mit harter Hand im Inneren und aggressiv nach außen agieren. Schließlich profitiert auch die Bevölkerung von Infrastrukturmaßnahmen, auch wenn sich dadurch die menschenrechtliche Situation nicht verbessert. Es kann sogar sein, dass sich durch wirtschaftliche Entwicklung auch politisch etwas zum Positiven wendet. Wenn Staaten wie China intensive Kontakte zum Westen knüpft und deutschen Unternehmen Investitionen ermöglicht, geht damit auch eine generelle Öffnung einher. Eine solche Abschottung wie in Nordkorea ist dann nicht mehr gegeben, demokratisches Gedankengut wird stattdessen vermittelt. Allerdings bleibt abzuwarten, ob dadurch tatsächlich Verbesserungen folgen. Bisher gibt es in China allein eine sich mutiger äußernde Zivilgesellschaft, eine politische Liberalisierung ist bisher aber noch nicht zu sehen.
Hohe Umsätze für deutsche Unternehmen
Schwellenländer wie China sind mittlerweile wichtige Absatzmärkte für die deutsche Wirtschaft: Sie sichern Arbeitsplätze. Ein Boykott von diktatorischen Regimen hätte wahrscheinlich keine positiven Effekte, es wären eher Trotzreaktionen zu erwarten. Zusätzlich ist als Argument anzuführen, dass die Bevölkerung aus dem Ausbau der Infrastruktur Nutzen zieht, wie es UST Capital im Wohnungsmarkt von Polen eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Foto: Cornerstone / pixelio.de
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